Ankommen in einer fremden Welt
Kaum etwas ist so schön und wichtig für Säuglinge, wie Verlässlichkeit. Mit dem Augenblick der Geburt eröffnet sich dem Baby eine neue, unbekannte Welt. Diese ist nicht nur verlockend und aufregend, sondern zunächst einmal sehr beängstigend. Anfangs versucht das Baby, sich von dieser mitunter harten Realität durch viel Schlaf zu erholen oder durch lautstarkes Geschrei seine Verwirrung kundzutun. Nichts scheint mehr der gewohnten Umgebung im Mutterleib zu entsprechen. Das einzig Vertraute ist die Stimme und der Herzschlag der Mutter sowie ihre sanften wiegenden Bewegungen, wenn sie das Baby hält und trägt. So beschützt und gehalten gelingt es dem neuen Erdenbürger, nach und nach sein Interesse an der Außenwelt zu entdecken. Je mehr diese von ihrer anfänglichen Bedrohlichkeit verliert, desto stärker wächst die Bereitschaft, sich dieser zu öffnen. Bald schon haben sich die Sinne des Babys auf die veränderten Gegebenheiten eingestellt. Tag für Tag wird das Bild ein kleines bisschen schärfer. Die Augen gewöhnen sich zunehmend an die Farben, das Licht und die Konturen werden deutlicher.
Die Melodie der Spieluhr
Auch das Gehör ist bald schon nicht mehr ganz so überwältigt von all den ungedämpft auf es einströmenden Geräuschen. Kaum ist das Interesse geweckt und das Baby beginnt genauer hinzuschauen und zuzuhören, entdeckt es weitere Gemeinsamkeiten zu seinem Leben im Mutterleib. Schnell erkennt es nicht nur die Stimme seiner Mutter sondern auch die seines Vaters wieder. Auch die Melodie seiner ersten Spieluhr könnte eines dieser vertrauten Geräusche sein. Gegen Ende der Schwangerschaft ist das Gehöhr des Ungeborenen bereits sehr gut ausgebildet. Laute Geräuschquellen oder solche, die sich sehr dicht am Bauch der Mutter befinden, können in seine geschützte Welt vordringen. Und da ein Kind auch schon vor seiner Geburt neugierig ist, wird es diesen Geräuschen mit großem Interesse lauschen. Manche Babys strecken sich sogar spürbar der Geräuschquelle entgegen. Legen die Eltern in dieser Zeit Abend für Abend dieselbe Spieluhr in die Nähe von Mamas Bauch, so wird deren Melodie mit der Zeit immer vertrauter werden. Nach der Geburt kann diese Melodie dann etwas wohltuend Bekanntes zwischen all den fremden und ungewohnten Eindrücken sein. Alle Empfindungen, welche das Baby an sein Leben vor der Geburt erinnern, wirken beruhigend.
Rituale schaffen Vertrauen
Ist ein Neugeborenes mit sich und der Welt überfordert, dann schreit es. Mehr oder weniger häufig kommt dies bei allen Kindern vor. Treten diese Unmutsäußerungen jedoch extrem oft auf, so spricht man von Schreibabys. Ihre Bedürfnisse sind im Grunde dieselben, wie die aller anderen Kinder auch. Ein Schreibaby ist jedoch stärker darauf angewiesen, dass diese prompt und umfassend gestillt werden. Eines dieser Bedürfnisse ist, wie zuvor schon erwähnt, jenes nach Verlässlichkeit. Gerade Schreibabys fühlen sich oft hilflos und verloren. Halt und Orientierung kann man ihnen mit immer wieder kehrenden Ritualen geben. Eine wichtige Gewohnheit ist das Zubett-Geh-Ritual. Besonders schön ist es, wenn eine bereits aus der Schwangerschaft bekannte Spieluhrmelodie dabei eine tragende Rolle spielt.
